In der nachfolgenden Tabelle können Sie sich nach belieben über folgende Schadstoffe und deren Eigenschaften informieren.

Bei aufkommenden Fragen zu den jeweiligen Schadstoffen und deren Behandlung freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme und helfen Ihnen gerne weiter.

  • Asbest
  • HSM (Holzschutzmittel)
  • KMF (Künstliche Mineralfasern)
  • Lindan / Pentachlorphenol (PCP)
  • PAK
  • PCB
  • Schimmel
Schadstoffe     Beschreibung / Bemerkung / Eigenschaften

Asbest

... folgt in Kürze

Holzschutzmittel

Holzschutzmittel sind Wirkstoffe oder wirkstoffhaltige Zubereitungen, welche dazu bestimmt sind, einen Befall von Holz oder Holzwerkstoffen durch holzzerstörende oder holzverfärbende Organismen zu verhindern oder einen solchen Befall zu bekämpfen. Alle ohne Wirkstoffe ausgerüsteten Anstrichstoffe wie Lacke oder Farben fallen nicht unter den Begriff "Holzschutzmittel", obwohl sie durchaus zur Behandlung von Holz verwendet werden.

Die im Innenraum verwendeten Holzschutzmittel lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

  • Wasserlösliche (anorganische) Salze und Salzgemische von Arsen-, Bor-, Chrom-, Fluor-, und Kupfer. Teilweise sind diese Verbindungen hochtoxisch aber nicht flüchtig. Somit sind diese für die Innenraumluft von untergeordneter Bedeutung.
  • Ölige (organische), lösemittelhaltige Mittel. Diese HSM sind aufgrund ihrer Flüchtigkeit sehr häufig in der Raumluft wiederzufinden und reichern sich im Hausstaub ab.

Nicht mehr zugelassen sind Holzschutzmittel, die Lindan und/oder Pentachlorphenol (PCP) enthalten.

KMF

Künstliche Mineralfasern (KMF) sind ein Produkt aus mineralischen Rohstoffen (Silikatschmelze)

Fasertypen:

  • Steinwollfasern
  • Glaswollfasern
  • Keramikfasern
  • Spezialfasern

Eigenschaften:

  • nicht brennbar
  • sehr gute Wärmedämmung
  • schallabsorbierende Wirkung
  • beständig gegen Hitze
  • relativ beständig gegen Wasser und Chemikalien
  • feinnadelige Aggregate

Unterteilung in

  • textile (spinnbare) Fasern
  • nicht textile Fasern (Schlacke-, Stein- und Glaswolle)

Kritische Faserabmessungen (lungengängig)

  • länge > 5 µm
  • Durchmesser < 3 µm
  • Länge / Durchmesser ≥ 3:1
  • Längsspaltung (analog Asbestfasern) bis dato nicht nachgewiesen
  • Vorhandensein lungengängiger Faser mit dem Durchschnitt < 1 µm nachgewiesen

Hypothese
auf Grundlage der Tierversuche (über Feinstaubinjektion):

  • biologische Relevanz im Durchschnittbereich < 3 µm
  • Wirkungsmaximum unter 0,5 µm (durchschnittlich)

Einstufung nach GefStoffV

  • Nach MAK-Kommission im Tierversuch als eindeutig krebserzeugend erwiesen
    in folge:
  • Einstufung von Glas- und Steinwolle in "als ob III A2"

Welche gesundheitsgefährdenden Potentiale bestehen?
Beurteilung nach Tierversuchen:
Versuchsauswertung und Risikoabschätzung in Anlehnung an epidemiologische
Daten von Asbest

Risikoabschätzung durch KMF steht voraus, das:

  • der biologische Wirkmechanismus der faserinduzierten Tumorhäufigkeit bei Mensch und Tier gleichzusetzen ist
  • die Wirkmechanismen für KMF im Wesentlichen mit denen für Asbest gleichzusetzen sind

Mögliche Krankheitssymptome
ausgehend von der Risikoabschätzung

  • Reizung der Schleimhäute
  • Reizung der Atemwege
  • Schädigung der Atmungsorgane
    Lungenentzündung / Asthma / Bronchitis
    (nach langfristiger Inhalationszeit)
  • kanzerogene Potenz

Wo kommt KMF in Gebäuden vor?

  • im Wärme- und Schallschutz, beispielsweise
    • in Innenwänden / Leichtbauwänden
    • in Akustikdecken
    • in Fußböden
    • im Dachausbau
    • für Außenfassaden
    • als Trittschalldämmung unter Estrich
    • in mineralfaserhaltigem Putz
    • als Wärmedämmung in Rolladenkästen
    • im Brandschutz, z.B. beim Fassadenbau oder für Spritzisolierungen

Feststellung möglicher KMF-Belastung im Gebäude durch:
Nachforschung über den zeitlichen Einsatz

  • Bei KMF-Produkten die bis ca. 1979 hergestellt wurden (Einbaujahr kann ggf. abweichen) kann in der Regel von einem KI < 30 ausgegangen werden. Hier ist eine Analytik nicht unbedingt erforderlich, sie kann zur Verifizierung jedoch dienlich sein.
  • Bei KMF-Produktion ab Herstelljahr ca. 1979 empfehlen wir eine Analytik zur Bestimmung des KI-Wertes.

Probenahme von KMF:

  • Raumluftmessung
    Ein definiertes Luftvolumen wird durch ein mit Gold beschichteten Kernporenfilter gesaugt. (Volumenstrom max. 2 m³ / h)
  • Kontaktprobe
    Abtupfen kontaminierter Flächen mit Klebestreifen
  • Materialprobe
    Entnahme relevanter Materialien

Einstufung in eine Sanierungsdringlichkeit
Für KMF sind keine Richtlinien erlassen, in deren Geltungsbereich eine Bewertung von KMF-Produkten fallen würde.
Eine Einstufung von KMF-Produkten in eine Sanierungsdringlichkeitsstufe ist nicht zulässig.

Orientierend heranziehbar:
Unter Voraussetzung der Vergleichbarkeit der Wirkmechanismen von KMF zu
denen von Asbest:

Hintergrundwert für Innenräume           ≤ 1.000 Fasern / m³
Aber: keine Handlungsdringlichkeit ableitbar

Einstufung von KMF nach Kanzerogenitätsindex (KI)

  • Reine Beurteilung der kanzerogenen Potenz
  • Keine gesetzlich verankerte Ableitung einer Handlungsdringlichkeit

 KI-Wert Einstufung
 KI-Wert < 30 wahrscheinlich kanzerogen
 KI-Wert 30 - 40 möglicherweise kanzerogen
 KI-Wert > 40 nicht kanzerogen

Richtwerte bei Arbeiten mit KMF
Technische Richtkonzentration

Auf Baustellen gilt die Technische Richtkonzentration von 250.000 Fasern / m³ als eingehalten, wenn die Gesamtfaserzahl lichtmikroskopisch nachgewiesen unter 500.000 Fasern / m³ beträgt.

Stationäre Altanlagen:
bis 31.12.1995    -    1.000.000 Fasern / m³
TRK-Wert am Arbeitsplatz:
500.000 Fasern / m³

Welche Maßnahmen können bei KMF-Vorkommen ergriffen werden?
Aus Vorsorgegründen können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Betriebliche Maßnahmen:

  • Vermeidung von Einwirkung auf das Material
  • Regelmäßige Nassreinigung
  • Änderung der Raumnutzung bzw. Außerbetriebnahme

Bauliche Maßnahmen:

  • Entfernen
  • Beschichten
  • Räumliche Trennung

Dabei sind zu beachten:

  • Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Persönliche Schutzmaßnahmen
  • Fachgerechte Ausführung und Entsorgung
  • ggf. Kontrollmessung
  • TRGS 521 Faserstäube

Wie kann vorgegangen werden wenn KMF erhoben werden soll?

Lindan / Pentachlorphenol (PCP)

Eigenschaften von Pentachlorphenol (PCP) und Lindan

  • geruchloser, weißer nadelförmiger Feststoff
  • schwer löslich in Wasser, löslich in Aceton, Benzol, Alkohol
  • Produktionsbedingt mit Phenolen und Dioxinen verunreinigt

Gesundheitliche Wirkung (PCP)

  • kanzerogenes Potential (krebserzeugend): Einstufung K2
  • erbgutveränderndes Potenzial: Einstufung M3 Frucht- und Entwicklungsschädigende Wirkung: Einstufung RE2
  • allgemeine Mattigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Bauch- und Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Schlafstörungen

Gesundheitliche Wirkung (Lindan)

  • Verdacht auf kanzerogenes Potential (krebserzeugend): Einstufung K3
  • allgemeine Mattigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Bauch- und Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Schlafstörungen

Wo kommt PCP/Lindan in Gebäude vor?

Verwendung:

  • Holzoberflächen von Wandverkleidungen, Balken, Türen, Vertäfelungen, Fenstern oder Möbeln
  • Dachstuhl
  • Textilien wie Ledercouch, Markisen, Zelte
  • Klebstoffe (PCP)
  • Farben und Lacke
  • Mineralölen
  • Mottenmittel (Lindan)

Feststellung möglicher PCP/Lindan-Belastung im Gebäude durch:

Nachforschung über den zeitlichen Einsatz

  • Nachforschung über den zeitlichen Einsatz und Art der Inhaltsstoffe von relevanten Bauprodukten (w.z.B. Holz)
  • Analyse relevanter Bauprodukte auf den gezielten Einsatz von PCP/Lindan
  • Raumluftmessung

Probenahme von PCP/Lindan: Hausstaub Entnahme relevanter Materialien zur Bestandsaufnahme Materialprobe Entnahme relevanter Materialien zur Bestandsaufnahme Raumluftmessung Ein definiertes Luftvolumen wird durch einen Probenahmekörper mit Polyurethan-Schaum mit vorgeschaltetem Glasfilter gesaugt.Grenz- bzw. Richtwerte von PCP/Lindan

PCP: 0,1 µg PCP / m³ Luft Vorsorgewert in Aufenthaltsräumen bei einer Aufenthaltsdauer von mehr als 8,0 Stunden. 0,1 µg PCP / m³ Luft Sanierungszielwert 1,0 µg PCP / m³ Luft Vorsorgewert für sonstige Aufenthaltsräume 0,1 µg PCP / m³ Luft Beurteilungswert für ArbeitsplätzeLindan: 0,3 µg PCP / m³ Luft Vorsorgewert in Aufenthaltsräumen bei einer Aufenthaltsdauer von mehr als 8,0 Stunden.

Welche Maßnahmen können bei PCP/Lindan-Vorkommen ergriffen werden?

Vorläufige Maßnahmen: täglich mehrmaliges Lüften über weit geöffnete Fenster (Stoßlüftung) wiederholtes feuchtes Reinige aller harten Oberflächen (z.B. Holzbauteile, Fußböden, Möbel, Hausrat) Waschen bzw. Reinigen von Textilien (z.B. Kleidung, Vorhänge, Teppiche)Bauliche Maßnahmen:

  • Beschichten und Bekleiden behandelter Bauteile
  • Räumliche Trennung behandelter Bauteile
  • Entfernen von behandeltem Material
  • Entfernen oder Reinigen sekundär belasteter Materialien oder Gegenstände

Dabei sind zu beachten:

  • PCP-Richtlinie
  • Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Persönliche Schutzmaßnahmen
  • Fachgerechte Ausführung und Entsorgung
  • ggf. Kontrollmessung
  • TRGS 905

PAK

PAK ist die Abkürzung für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und bezeichnet eine Stoffgruppe mit mehreren hundert Einzelverbindungen. Ihr chemisches Merkmal sind mindestens drei direkt aneinander gebundener Benzolringe.PAK entstehen bei der Erhitzung bzw. Verbrennung von organischen Materialien unter Sauerstoffmangel (unvollständige Verbrennung).

Welche Gesundheitsgefährdung entsteht durch PAK? Zahleiche PAK sind nachweislich krebserzeugend, insbesondere solche aus vier und mehr Benzolringen (Ausnahme: Phenanthren). Als Leitparameter einer PAK-Belastung wird häufig das kanzerogene Benzo (a) pyren (=BaP) angesehen und ermittelt. Außerdem wirken viele PAK giftig auf das Immunsystem und die Leber, schädigen das Erbgut und reizen die Schleimhäute Genauere Angaben sind nur zu jedem Vertreter im Einzelnen möglich. Kinder bis zu 6 Jahren, die in der Regel auf dem Boden spielen, sind vermehrt exponiert und darum bei einer gesundheitlichen Bewertung in den Vordergrund stellen.

Wo kommt PAK in Gebäuden vor?

In Stein- und Braunkohleprodukten sind PAK von Natur aus enthalten. Sie kommen aber auch in Gemüse, geräucherten, gegrillten und gebratenen Fleischprodukten und Tabakrauch vor.

In Gebäuden sind PAK hauptsächlich zu finden in:

  • teer- und pechhaltigen Klebstoffen und Farben unter Holzparkett und Hirnholzfußboden
  • teerhaltige Beschichtung (innen) von Trinkwasserleitungen
  • Asphalt-Fußbodenbelägen (Gussasphalt, Hochdruckplatten)
  • Teerhaltige Dichtungs- und Dachbahnen

Feststellung möglicher PAK-Belastung im Gebäude durch:

  • Nachforschung über den zeitlichen Einsatz und Art der Inhaltsstoffe von relevanten Bauprodukten (Parkettkleber, Asphaltböden, teerhaltige Produkte, etc.)
  • Analyse relevanter Bauprodukte auf den gezielten Einsatz von PAK
  • Staubprobe

Probenahme von PAK

  • Materialprobe
  • Staubprobe
  • Raum- und Außenluftmessung

Richtwerte von PAK im Material und Hausstaub:
Richtwerte für die Gesamtbelastung schwerflüchtiger PAK's ist der BaP-Gehalt (Benzo (a) pyren)

Hausstaubuntersuchung (≥10 bis 3.000 mg BaP / kg Material) > 10 mg BaP / kg Hausstaub kurzfristige Maßnahme zur Minimierung der Belastung z.B.: - diffusionsdicht abdecken - entfernen < 10 mg BaP / kg Hausstaub Im Einzelfall vor Ort zu entscheiden, ob Maßnahmen zu ergreifen sind (Randbedingungen)Hausstaubuntersuchung (> 3.000 mg BaP / kg Material) >1 0 mg BaP / kg Hausstaub kurzfristige Maßnahme zur Minimierung der Belastung - diffusionsdicht abdecken - entfernen < 10 mg BaP / kg Hausstaub Messung der BaP-Konzentration in der Innenluft und - dazu parallel - der AußenluftWas kann man gegen PAK-Belastungen tun?

Bauliche Maßnahmen:

  • Vollständiges Entfernen
  • Diffusionsdichtes Abdecken und Aufbringen eines neuen, nicht verklebten, Belags (z.B. Teppichboden, Laminat, Fertigparkett) Verschließen von Fugen und drei- bis vierfaches Versiegeln. (Auf Grund der begrenzten Haltbarkeit solcher Maßnahmen ist ein regelmäßiger Renovierungsintervall erforderlich)Dabei ist zu beachten:
  • Umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Persönliche Schutzmaßnahmen
  • Fachgerechte Ausführung und Entsorgung
  • Kontrollmessung

Vorgehensweise zur Ermittlung von PAK in Innenräumen (PAK - Empfehlungswerte des UBS / BaVV)

PCB

PCB ist ein Gemisch aus 209 verschiedenen chemischen Verbindungen mit folgenden Eigenschaften:

  • nahezu unbrennbar und feuerhemmend
  • erweicht Kunststoffe
  • schwer biologisch abbaubar
  • besitzt geringe akute Toxizität

PCB hat folgende Einsatzgebiete:

  • Isoliermittel in Transformatoren und Kondensatoren
  • Weichmacher in Bewegungsfugen und Fugendichtmassen
  • Flammschutzmittel in Farben und Lacken

Welche Gesundheitsgefährdung entsteht durch PCB?

  • Aufnahme durch Nahrung, aber auch Atmung und Hautkontakt
  • Verdacht auf Krebserzeugung
  • Ausgasungen der Produkte lagern sich auf Staubträgern, fetthaltigen Geweben und Lebensmitteln an
  • im Brandfall entstehen hochgiftige Verbindungen (Dioxine)

Krankheitssymptome:

  • Hautschädigung
  • Knochenmarksveränderungen
  • Hormonabbau
  • Schwächung des Immunsystems
  • Stoffwechselstörung der Leber
  • Eventuelle Missbildung Neugeborener
  • Mögliche Hemmung körperlicher und geistiger Entwicklung bei Kindern

Wo kommt PCB in Gebäuden vor? "Offene" Anwendung: bis Mitter der 70er Jahre

  • Flammschutzmittel in Farben und Lacke
  • Akustikfarbe auf Deckenplatten
  • Weichmacher in Bewegungsfugen
  • Weichmacher in Fugendichtmassen
  • Klebstoff (Z.B. in Glasfasertapeten)

"Geschlossene" Anwendung: Herstellung seit 1983 eingestellt

  • Kleinkondensatoren in Leuchtstofflampen, Ölbrennern, elektrischen Schreibmaschinen, Ventilatoren, elektrischen Haushaltsgeräten wie Geschirrspüler, Dunstabzugshauben, Waschmaschinen.

Feststellung Möglicher PCB-Belastung im Gebäude durch: Herstellerinformationen, wann und in welchen Fabrikaten PCB-haltige Transformatoren und Kondensatoren eingesetzt wurden

  • Nachforschung über den zeitlichen Einsatz und Art der Inhaltsstoffe von relevanten Bauprodukten (Fugenmassen, Farben, Lacke, Akustikdecken) Analyse relevanter Bauprodukte auf den gezielten Einsatz von PCB (Primärquelle)
  • Analyse möglicher kontaminierter Bauprodukte und Materialien
  • Raumluftmessung

Probenahme von PCB: Raumluftmessung Ein definiertes Luftvolumen (ca. 2000 l) wird durch ein Adsorptionsröhrchen (z.B. Florisil, PU-Schaum) gesaugt, (Volumenstrom max. 2 l/min.) Wischprobe Abwischen kontaminierter Flächen mit toluolgetränktem Lappen Materialprobe Entnahme von ca. 10 g verdächtigem MaterialRichtwerte von PCB im Material und in der Raumluft: Bewertung der Sanierungsdringlichkeit durch Ermittlung der Raumluftkonzentration

< 300 ng PCB / m³ Luft

  • langfristig tolerabel (Vorsorgewert) möglichst weitere Absenkung der Konzentration durch regelmäßige Reinigung300 - 3.000 ng PCB / m³ Luft
  • mittelfristige Maßnahmen notwendig (intensive Quellensuche, regelmäßiges und gründliches Reinigen, verstärktes Lüften)
  • Reduktion der Konzentration auf 300 ng/m³ innerhalb von ein bis zwei Jahren

> 3.000 ng PCB / m³ Luft

  • Interventionswert
  • Einleitung unverzüglicher Maßnahmen
  • Kontrollanalysen
  • Aufstellen eines Sanierungsplans
  • bald möglichste Durchführung der Sanierung
  • Absenkung unter 3.000 ng/m³ innerhalb von max. 3 Monaten - ansonsten Schließung betroffener Räumlichkeiten

Was kann man gegen PCB-Belastungen tun?
Betriebliche Maßnahmen (zur vorläufigen Reduzierung):

  • Erhöhte Reinigung
  • Lüftung
  • Kein Hautkontakt

Bauliche Maßnahmen:

  • Entfernen
  • Beschichtung
  • Räumliche Trennung

Dabei sind zu beachten:

  • PCB-Richtlinie
  • Persönliche Schutzmaßnahmen
  • Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Erfolgskontrolle durch Raumluftmessungen fachgerechte Entsorgung

 Schimmel

Schimmel ist ein Sammelbegriff für oberflächlich, auf zumeist abgestorbenen organischen Substanzen wachsende, Myzelien und Sporenträger. Die Organischen Substanzen dienen als Nährstofflieferant, die durch die Nährstoffgewinnung zersetzt werden. Die Vermehrung der Schimmelpilze erfolgt vorwiegend über die Abgabe größerer Sporenmengen an die Luft, die somit neue zersetzbare Materialien besiedeln können.

Viele Schimmelpilze (z.B. Aspergillus, Penicillium, Fusarium etc.) setzen als sekundäre Stoffwechselprodukte Gifte (Mykotoxine) frei.
Je nach Toxinart können Mykotoxine akut oder chronisch akut sein.

Eine Freisetzung der Mykotoxine in die Raumluft kann durch Verdampfung oder aber über Sporenabgabe erfolgen, was oft unangenehme (moderige) Gerüche verursacht.

Welche Gesundheitsgefährdung entsteht durch Schimmel?

Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Personen, die sich dauerhaft in Räumen mit Schimmelpilz-belasteter Luft aufhalten und auf Schimmelpilze zurückzuführen sein
können sind z.B.:

  • Allergien
  • Sick Building Syndrom
  • Mykotoxikosen
  • Mykosen (bisher nur bei immungeschwächten Personen beobachtet)
  • Atemnot
  • Konzentrationsmangel
  • Asthma
  • Lungenfibrose

Noch nicht abschließend geklärt ist, ob durch mikrobiologisch produzierte organische Verbindungen (MVOC) Krankheitsbilder verursacht werden. Es wird vermutet, dass Schleimhautreizungen oder Kopfschmerzen auf MVOC zurückzuführen sein können.

Alle Schimmelpilzspezien besitzen allergenes Potential, die für immunschwache Wirtspersonen auch unterhalb bekannter Schwellenwerte Beeinträchtigungen hervorrufen können.

Eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen der Konzentration koloniebildender Einheiten in der Raumluft und gesundheitlichen Reaktionen ist jedoch medizinisch nicht nachgewiesen.

Wo kommt Schimmel in Gebäude vor?

Befall durch Eintrag
Schimmel kann sich durch die Sporenverbreitung prinzipiell an jeder Stelle ausbreiten, wo sich günstige Nährbedingungen für den Pilz ergeben. Die von vegetativen Fruchtformen abgegebenen Sporenmengen können sich in der Außenluft bei günstigen Witterungsbedingungen über Hunderte von Kilometern verbreiten und einen Eintrag in die Innenraumluft von Gebäuden bedingen, sofern die bauphysikalischen und/oder nutzerspezifischen Voraussetzungen hierfür gegeben sind.

Bauphysikalische Ursachen
Bauphysikalische Ursachen für den Schimmelbefall liegen nahezu immer in erhöhter Feuchtigkeit.
Verantwortlich dafür sind in erster Linie Bauschäden, die eine Kondensatbildung Vorschub leisten.
Mängel an der für einen Kondensatschutz wichtigen Wärmedämmung und Dampfsperre zeigen sich wiederholt an Detailpunkten:

  • Außenecken
  • Anschlüsse von Fenstern, Türen, Auskragungen etc.
  • Pfeilern
  • Heizkörpernischen
  • Rolladenkästen
  • einbindende Betondecken
  • vorgestellte Mobiliar / Innenwandverkleidung

Darüber hinaus können direkte bauliche Mängel eine Schimmelpilzbildung begünstigen:

  • mangelhafte oder beschädigte wasserführende Bauteile
  • mangelhafte Sperrschichten
  • unzureichende Bauaustrocknung etc.


Feststellung möglicher Schimmel-Belastung im Gebäude durch:

  • Besichtung der wahrscheinlichen Befallstellen
    Überprüfung auf einen offenen, deutlich erkennbaren mikrobiellen Befall mit organoleptischer Ansprache.
    Als weiterführende Erhebung auch zur Überprüfung aller kritischen Bauteile und Kohlräume (insbes. bei älterem befall, der sich z.B. durch starken Milbenfraß auszeichnet).
  • Material- und Kontaktproben
    Abklatschprobe zur qualitativen Bestimmung der Pilzgattung und/oder Spezies.Kann bei einem offenen Befall auch zur ersten Gefährdungsabschätzung herangezogen werden. 
  • MVOC-Bestimmung
    Hochsensitive, chemische Ermittlung der sekundären Pilz-Stoffwechselprodukte (mikrobiologisch produzierte flüchtige organische Verbindungen) in der Raumluft. Auch geeignet zur orientierenden Erhebung eines verdeckten Befalls (z.B. in Hohlräumen der Bausubstanz).
  • Raumluftmessung
    Quantitative und qualitative Bestimmung lebender Pilzsporen in der Innenraumluft im Vergleich zur ubiquitären Grundbelastung der Außenluft (mit Referenzmessung der Außenluft).
    Die Konzentration wird in koloniebildenden Einheiten KBE/m³ angegeben.
    Die qualitative Bestimmung der Pilzart erfolgt auf Gattungs- oder Spezienebene.
    Die quantitative wie qualitative Betrachtung erlaubt erste Rückschlüsse auf die Ursache des Befalls, ist jedoch stark von Zeitpunkt der Probenhame abhängig (nicht kontinuierlicher Sporenflug, Witterungsverhältnisse etc.)

Richtwerte von Schimmel in der Raumluft

Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen der Konzentration von Pilzsporen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind wissenschaftlich nicht begründet, gesetzlich gültige Grenzwerte insofern nicht festgelegt. Zur Bewertung können folgende Schwellenwerte mit orientierendem Charakter parallel herangezogen werden:

Bewertung nach Innenraumluftkonzentration
            Entsprechend fachlicher Publikationen liegt die Konzentration koloniebildender
            Einheiten in der Raumluft unbelasteter Gebäude zwischen 150 und 500 KBE / m³.

Bewertung nach Referenzwert der Außenluft
             Die Bewertung einer gefundenen Konzentration im Innenraum unterliegt immer eines      
             vor Ort, zeitnah erhobenen Referenzwertes der Außenluft.
             Da Schimmelpilze und andere Mikroorganismen ubiquitär in der natürlichen Luft
             vorkommen, ist ein Eintrag der Sporen in Nutzungsbereiche ebenso in Betracht zu
             ziehen.

Von einer notwendigen hygienischen Klärung des Schimmelpilzvorkommens
wird ausgegangen wenn:

Die Innenraumluftkonzentration  > 500 KBE/m³ von dem Referenzwert der Außenluft abweicht.

Bewertung nach Referenzwert der Außenluft
Die Bewertung einer gefundenen Konzentration im Innenraum unterliegt immer eines vor Ort, zeitnah erhobenen Referenzwertes der Außenluft. Da Schimmelpilze und andere Mikroorganismen ubiquitär in der natürlichen Luft vorkommen, ist ein Eintrag der Sporen in Nutzungsbereiche ebenso in Betracht zu ziehen.

Von einer hygienischen Klärung wird ausgegangen, wenn:
Die Innenraumluftkonzentration an koloniebildenden Einheiten einer untypischen
Außenluftart > 100 KBE/m³ über dem parallel gemessenen Referenzwert der Außenluft liegt.

Darüber hinaus muss auch die Zusammensetzung der Pilzflora nach Gattung / Spezies (qualitative Bestimmung), der Nutzerkreis (nach seinen gesundheitlichen Konstitutionen). Art, Dauer und Zeitpunkt der Probenahme in Bewertung berücksichtigt werden.

Was kann man gegen Schimmel-Belastungen tun?

Bauliche Maßnahmen:

  • Übergangsweises diffusionsdichtes Abdecken/Abschotten
  • Vollständiges Entfernen des befallenen Materials (Einrichtungsgegenstände berücksichtigen)
  • Eventuell biologische Methodik zur Austrocknung des Pilzes
  • Behebung der Ursachen zur Abwendung von Neubildungen

Nutzungsbedingte (vorläufige bzw. präventive) Maßnahmen:

  • Verstärkte Lüftung
  • Freistellung der Wände (Möbel, Bilder, etc.)

Dabei ist zu beachten:

  • Arbeitsschutzmaßnahmen (BioStoffVerordnung, Technische Regeln für biologische Arbeitsstoffe/TRBA)
  • Persönliche Schutzmaßnahmen
  • Fachgerechte Ausführung und Entsorgung
  • Kontrollmessung

Generell sind die zu wählenden Maßnahmen abhängig von vielen Faktoren wie Art, Zusammensetzung, Umfang, Ursache etc. des Pilzbefalls.

Erhebungsstrategie Schimmel